Die Moritat von Paratii

Eine wahre Begebenheit von jenseits des Meeres


Abb.: Der Chef


Die Geschichte, auf der diese Moritat basiert, wurde Evelyn Fürlinger, Richard Wientzek, Jörg Piringer und Johannes Grenzfurthner im April 2002 (siehe monochrom bei der Biennale Sao Paulo) in einem roten Jeep von Herrn Hotelier S. im Wald von Paratii erzählt, auf dem Wege zum Wasserfall, nicht unweit des Feigenbaums.

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Abb.: Der Wasserfall

Hört liebe Leut, hört die Geschicht, 
Die wirklich einst geschah. 
Und wenn wer sagt: "Das glaub ich nicht!" 
Ich schwör euch, es ist wahr! 

Atlantik hieß der Ozean, 
Paratii hieß die Stadt. 
Die Stadt liegt in Brasilien, 
Wo man viel Urwald hat. 

Man geht drei Stunden von der Stadt 
Durch Flora und durch Faun'. 
Und wer sich nicht verlaufen hat, 
Stößt dann an einen Zaun. 

Der Zaun umschließt ein großes Gut, 
Das lange dort schon steht. 
Das kaufte einst ein reicher Mann, 
Um den dies Lied sich dreht. 

Der Mann war stark, der Mann war stolz, 
Gab Arbeit und gab Lohn. 
Er liebte Vögel, liebte Holz, 
war Öko-Ökonom. 

Er legte einen Tierpark an 
Mit Tiger, Löwe, Gnu. 
Und wehe, wer verging sich dran! 
Die Schöpfung war tabu! 

Der Vogelschutz, bereits erwähnt 
War ihm ein groß` Pläsier 
Doch mancher Knecht sich nicht dran hielt 
Und fing so manches Tier. 

Die Knechte nämlich waren arm, 
Der Lohn war zu gering. 
Die Vögel brachten gutes Geld, 
weswegen man sie fing. 

Der Mann, von jetzt ab Chef genannt 
War bös und dachte sich: 
Den nächsten, der das wieder tut 
Bestraf ich fürchterlich! 

Und wenig später wurd' - o je - 
Ein Vogeldieb erspäht. 
Der Chef brüllt: tretet alle an! 
Sollt sehn, wie's dem jetzt geht.

Er nahm die Flinte, hielt sie dann 
Dem Delinquent ans Ohr. 
Und zog aus seinem Gutsherrnrock 
Ein Vogelvieh hervor. 

"Du frisst jetzt diesen Vogel auf 
Samt Fuß und Federschopf 
Und wenn Du auch nur einmal würgst, 
Schieß ich Dir in den Kopf!" 

Der Bursche schwitzt und beißt voll Graus 
Den armen Vogel tot. 
Er kaut und schluckt und wird ganz grün. 
Vom Munde tropft es rot. 

Drei Wochen lag der Bursche krank 
Vor Ekel, Schmach und Pein 
Er nahm die Flinte aus dem Schrank. 
"Das wird der Chef bereu'n!" 

Und als der Chef im Walde ging, 
Allein und wohlgemut, 
Da saß der Bursche im Geschling 
Und harrte voller Wut 

Beim alten Baum mit Feigen groß 
Am Weg zum Wasserfall 
Da saß der Chef. Ein Schuss ging los! 
Traf ihn mit lautem Knall. 

Der Bursche warf`s Gewehr in Fluss 
Und rannte weit weit fort. 
Vom Berge hallte lang der Schuss 
Als Echo noch vom Mord. 

Und als die Witwe dort im Blut 
Die Leiche schließlich fand, 
Sprach sie: "Jetzt mach ich aus dem Gut 
Ein nettes Restaurant." 

So war die G'schicht und klingt sie auch 
Sehr alt, so ist doch wahr: 
Das ganze fand vor kurzem statt - 
Im vierundneunz'ger Jahr 

Und die Moral von der Geschicht 
Hat bisschen was von Brecht: 
Die Armut und der Umweltschutz 
Was ist hier gut? Was schlecht? 
 


Ein musikalische Adaption mit zwei Versingern und dezenter Wiener Kaffeehausatmo in 128er-mp3-Qualität.